Sonntag, 18. September 2011

Unplugged Indiepop in der 90-Tage-Galerie



Cashew und ABC Georgia aus Köln spielen am Samstag, 24. September, 20 Uhr, ein Konzert in Bardenbach

Wenn das Baumhaus zum Eigenheim wird, wird die Band zur Herausforderung. Dann sucht sich die Liebe zur Musik einen Platz in den Ritzen der Mauern, die das Leben baut. Echte Liebhabermusik in Form von melodischem Indiepop gibt es am Samstag, 24. September, 20 Uhr, in der 90-Tage-Galerie in Bardenbach auf die Ohren, wenn die „Cashew“ und „ABC Georgia“ aus Köln zum Unplugged-Konzert aufspielen. Es gibt nichts Richtiges im Falschen, wusste schon Adorno, und es hilft, die falschen Träume zu begraben. Vielleicht dient es der Bewahrung der richtigen Träume, dass „Cashew“ seit über 10 Jahren die Form ändert, um an der Formel festzuhalten. Des Pudels Kern: der Popsong (nicht zu verwechseln mit dem, was heute gemeinhin damit verbunden wird), als eine Art fluffiger Schneeball. Er sollte sich gut anfühlen, auch gegen den Wind seine Richtung beibehalten, zum richtigen Moment die richtige Stelle treffen und einen wohligen Schauer auslösen, wenn er dir in den Ausschnitt rinnt. Fluffige Schneebälle können furchtbare Waffen sein und halten bei richtiger Haltung ein Leben lang. Sie werden in sorgfältiger Handarbeit hergestellt, wobei unterschiedliche Atmosphärenbedingungen außerhalb bewusster Kontrolle jeden einzelnen zu einem Unikat machen. Mit „Cashew“ kommt ein Exil-Schneeball namens Daniel Hecktor zurückgerollt ins Saarland, und mit der Kölner Band „ABC Georgia“ hat er auch den Kühlschrank mitgebracht, der diesen Schneeball in den letzten Jahren mitgeformt hat. Das Ganze unplugged, fluffige Schneebälle erzeugen ihre eigene Spannung.
„Cashew“ ist Daniel. „ABC Georgia“ sind Dave, Jo, Daniel und Rolf.

Samstag, 24. September, 20 Uhr, 90-Tage-Galerie, Zum Fels 1, 66687 Bardenbach. Eintritt frei.

Einflüsse:
Gin Blossoms, Toad The Wet Sprocket, Weakerthans, Neal Casal, Samiam, Freedy Johnston, Drag The River


Blitzdisko:
Cashew – Disturbulence 4song EP
ABC Georgia – Debut CD

Web:
www.cashewsoul.de
www.myspace.com/abandcalledgeorgia

Montag, 11. Juli 2011

Expedition ins Tierreich: Fliegen




Die 90-Tage-Galerie in Bardenbach zeigt Malerei von Stephan Flommersfeld

Stephan Flommersfeld ist ein passionierter Fliegenfänger. Doch fängt er die Insekten nicht mit Fliegenpapier, sondern bannt sie mittels Farbe auf die Leinwand. Dabei nimmt er sie im wahrsten Sinne des Wortes neugierig unter die Lupe und entdeckt schillernde Facetten, irisierende Chitinpanzer, borstige Haare, transparente Flügel und filigran segmentierte Beine. „Fliegen“ nennt der Künstler seine Ausstellung in der 90-Tage-Galerie in Bardenbach, die vom 17. Juli bis 7. August immer sonntags zu sehen ist.

Stephan Flommersfeld will das Insekt nicht vom Ruf eines lästigen Plagegeistes befreien – da hat jeder seine eigene Toleranzgrenze – , doch macht er auf überraschende Weise auf seine Schönheit aufmerksam, indem er die gewohnte Perspektive hinter sich lässt: Im malerischen Prozess befindet er sich mit dem Tier sozusagen auf Augenhöhe. À propos Augen: Das Insekt ist ohne beseelten Blick. Das macht den mitfühlenden Umgang so schwierig. Als Haustier ist es unerwünscht und rangiert in der Beliebtheitsskala sicher ganz unten. „Ich habe dennoch versucht, dem Tier einen Ausdruck zu verleihen“, erklärt der Maler, der im rheinhessischen Wöllstein lebt, „da ist die Körperhaltung wichtig und was wir an Bedeutung in sie hineinlegen.“ Dabei gelingen Flommersfeld fast so etwas wie Charakterstudien. In jedem Bild versucht er, einen psychischen Gehalt herauszukitzeln, manchmal detailversessen, manchmal karikierend oder mit beinahe grobem Gestus die Form abkürzend. Das ist eine Expedition ins Tierreich, die den Betrachter vielleicht dazu bewegt, auch jedes noch so kleine Insekt als Schöpfung wahrzunehmen. „Von besonderem Charme war die Situation, beim Malen der Fliege von einer solchen umschwirrt zu werden“, meint der Künstler schmunzelnd.

Die 90-Tage-Galerie ist ein Ausstellungsprojekt der Journalistin Kathrin Werno. Im ehemaligen Lebensmittelladen ihrer Großmutter im nordsaarländischen Bardenbach hat sie seit Oktober 2009 sechs Ausstellungen kuratiert und künstlerische Positionen aus unterschiedlichen Sparten präsentiert. Die Ausstellung „Fliegen“ wird am Sonntag, 17. Juli, 17 Uhr, eröffnet. Begleitend zur Schau erscheint ein kleiner Katalog.

Bis 7. August, geöffnet sonntags von 15 bis 18 Uhr. 90-Tage-Galerie, Zum Fels 1, 66687 Bardenbach.

Dienstag, 19. April 2011

"In der Zukunft war alles besser"



Nach einem Jahr Pause findet am Samstag, 30. April, 18.30 Uhr, wieder eine Ausstellungseröffnung in der 90-Tage-Galerie statt: Fotografien von Anne Michaux.

Surreale Landschaften, die in Unschärfe zerfließen. Diffuses zartes Licht, dann wieder kräftige Farbtöne, die einen dramatischen Eindruck schaffen: Anne Michaux baut Miniaturwelten mit Zubehör aus dem Eisenbahn-Modellbau und anderen Materialien, um sie dann zu fotografieren. „In der Zukunft war alles besser" nennt die Künstlerin aus Luxemburg, die in Berlin lebt, ihre Ausstellung vom 30. April bis zum 22. Mai in der 90-Tage-Galerie in Bardenbach. Anne Michaux setzt sich in ihren jüngsten Arbeiten mit der Vergänglichkeit der Zivilisation auseinander – „damit, wie etwas, das heute als unzerstörbar und ewig gilt, innerhalb von Stunden, Minuten, Sekunden, verschwunden sein kann, zerstört, auf immer verändert“.

Oft ist es die Hybris des Menschen, alles kontrollieren zu können, die Überzeugung, dass das, was jetzt ist, für alle Ewigkeit gilt, die radikale unvermeidbare Veränderungen hervorruft - wie auch im Fall der nuklearen Unfälle - und uns ohnmächtig und fassungslos sein lässt bei Katastrophen einer natürlichen Herkunft. Doch scheint es manchmal, als ob der Mensch Katastrophen unterbewusst provoziert, um ein gesättigtes System zu zerstören und wieder neu anfangen zu können. Diese unvorhersehbaren Ereignisse üben auch eine Faszination aus: Sei es eine Art „Katastrophen-Lust“ oder die Anziehungskraft des Chaos, aus dem wieder Neues erstehen kann. So hat die Wiederkehr der wilden Tiere in der Sperrzone um Tschernobyl für großes Interesse gesorgt. Die Rede war sogar von einem „Rückzugsort für Tiere“, bis man feststellte, dass die Tiere auch an Krebs erkranken und wohl nicht lange in der Zone als Arten überleben werden. Trotzdem übt die Idee, dass die Natur erleichtert aufatmet, wenn der Mensch sich zurückzieht, eine sonderbare Faszination aus. „Ich habe Tiere als Symbol der Erneuerung und der Hoffnung in meine Bilder aufgenommen“, sagt Anne Michaux.

Die Fotos der Ausstellung sind von der Atmosphäre einer vagen, unsichtbaren Bedrohung durchdrungen, die Menschen scheinen verloren, verunsichert durch das plötzliche Verschwinden von Kontrollpersonen, die ihnen sagen, was sie zu tun haben: „ Und doch versuche ich auch einen Hauch Schönheit sein zu lassen, eine unbekannte, wilde Schönheit, die der ur-menschlichen Hoffnung auf Erneuerung Platz gibt.“ Die Bilder sind aus DIN A4 Blättern zusammen genäht. Diese Low-Tech-Technik ist aus dem Wunsch entsprungen, mehr Kontrolle über die Produktion der Bilder zu haben, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen und sie während des Prozesses modifizieren zu können. Außerdem sind sie haptisch interessanter und ermöglichen eine Nähe zum Betrachter, die perfekt gedruckte Fotos hinter Acrylglas nicht zulassen.

90-Tage-Galerie, Zum Fels 1, Bardenbach. Eröffnung am Samstag, 30. April, 18.30 Uhr. Bis 22. Mai, geöffnet sonntags von 15 bis 18 Uhr.

Montag, 31. Mai 2010

Land Art




Wie ein Ufo, das plötzlich mitten im Dorf gelandet ist. Das war die Bemerkung eines Freundes, als er zum ersten Mal meine 90-Tage-Galerie besuchte. Genauso empfand ich es, wenn an den Winterabenden die Beleuchtung der Galerie die Nachbarhäuser erfasste und den ein oder anderen, meist verdutzt blickenden Passanten kurzzeitig anstrahlte. Das war meine Sicht von innen nach außen – wie aber muss es auf die Bardenbacher gewirkt haben? Schon eigenartig, wenn plötzlich mitten auf dem Land eine Galerie auftaucht.
Aus einer spontanen Laune beschloss ich vergangenen Sommer, den ehemaligen Tante-Emma-Laden meiner Großeltern in meinem Heimatdorf Bardenbach im Nordsaarland zu renovieren. Seit etwa drei Jahren stand das Ladenlokal leer. Ich hatte kein Konzept, kein Geld und keine Ambitionen, aber sehr viel Lust, in diesem persönlichen Umfeld mit teilweise Originaleinrichtung wie der alten Kasse oder den Fleischhaken eine Dorfgalerie zu eröffnen. Die Künstler, die mich interessierten, schrieb ich einfach an – sie waren ohne Ausnahme angetan von Raum und Umgebung. Vier Ausstellungen dauerte das Dorf-Galerie-Projekt an, das sehr viele neue Erfahrungen brachte. Bei den Eröffnungen herrscht eine andere Atmosphäre als in städtischen Galerien: Die Nachbarin backt Kuchen und lädt die Künstler in ihr Wohnzimmer, und es kommt schon einmal vor, dass eine Installation zum Abstellen der Gläser benutzt wird. Im Umkreis von etwa 25 Kilometern gibt es hier keine Galerie und die Frage, was ich denn da überhaupt treibe, stand mehr als ein Mal im Raum. Die Besucher, im Gros nicht in Kunst gebildet, gehen direkt auf die Arbeiten zu, ohne intellektuellen Überbau, klopfen keinen inneren Wertekanon ab, sondern lassen Assoziationen und Gefühle freier zu. So kam es, dass über die – in meiner Einschätzung – eher schwierig zu erfassenden Objekte aus Menschenhaar und Wachs der Saarbrücker Künstlerin Mirjam Elburn sich überraschende, sehr persönliche Gespräche über Körperlichkeit und Vergänglichkeit entwickeln konnten.
War ich während der Woche fast immer alleine mit en Arbeiten, zog der Sonntagnachmittag zunehmend Publikum aus dem ganzen Saarland in die eigenartige Galerie nach Bardenbach. Und mit ihm entwickelt sich die zarte Hoffnung, dass eine Dorfgalerie mit ihrem eigenen Charme und mit langem Atem vielleicht doch eine Chance haben könnte.








Dienstag, 6. April 2010

"Spring" in der 90-Tage-Galerie


Mit der Ausstellung „Spring“ meldet sich die 90-Tage-Galerie in Bardenbach zurück





Wer die Ladentür öffnet, verlässt das Gewohnte und tritt in eine magische Welt: eine Beschwörung des Neuanfangs, des Aufkeimens der Natur nach einem langen Winter. Das jedenfalls wünscht sich Kathrin Werno mit der Ausstellung „Spring“, die ab Sonntag, 11. April, in der 90-Tage-Galerie in Bardenbach zu sehen sein wird. Natur, Landschaft, Flora und Fauna liefern Motive für die Arbeiten der Künstler Vera Kattler, Petra Jung, Klaus Harth, Stephan Flommersfeld und Philipp Strobel.

Im ehemaligen Lebensmittelladen ihrer Großeltern startete die Journalistin im vergangenen Herbst das Galerie-Projekt auf Zeit. Übersichtliche Auslagen, sortierte Regale: Wo früher eine klare Ordnung herrschte, soll sich nun die Idee eines „natürlichen“ und kreativen Chaos entfalten, das aber schon neue Strukturen andeutet und in sich birgt.

„Ebelin“ nennt Petra Jung ihre aus Wattestäbchen gefertigten Objekte. Sie verwendet dieses Material, weil es sie an Kokons erinnert. Kokons symbolisieren für Jung Verpuppung, Verwandlung und Weiterentwicklung. Kokonartige Objekte tauchen auch immer wieder in ihrer Malerei auf, die geprägt ist von Zartheit, Leichtigkeit, aber auch von der Flüchtigkeit des Augenblicks erzählt.
Stephan Flommersfeld überblendet mittels digitaler Technik florale Formen und unterzieht sie anschließend einem malerischen Prozess. Dabei lässt er Farbe rinnen und gibt der Oberfläche mittels Pigmenten eine haptische Struktur. Neu in seiner Arbeit sind monochrome Etüden, in denen er der Qualität der Farbe Grün nachspürt.
Der Maler Klaus Harth nimmt den Betrachter mit auf einen Spaziergang: Er notiert landschaftliche Details, gewährt den ein oder anderen Ausblick, kollagiert und fragmentiert. Dabei gelingt es ihm, naturhafte Strukturen in energetisch geladene Pinselstriche zu übersetzen.
Fühle ich mich beobachtet? Beobachte ich selbst? Fühle ich mich gar ertappt? Vera Kattler beschäftigt sich in ihrer Malerei mit Tieraugen, die mal verspielt, mal weise, mal bedrohlich scheinen. Dabei spielt der Betrachter selbst eine wesentliche Rolle, denn seine Reaktion auf die Blicke verrät ihm viel über sich selbst. Über das Motiv „Auge“ findet Kattler zu Formulierungen, die sich auch auf abstrakter Ebene lesen lassen.
Philipp Strobel erfindet in seinen Objekten die Geometrie der Pflanze. Trotz kubischer Anordnung der Vierkantstahlstreben entsteht der Eindruck einer nach oben wachsenden Form. Die knotigen Verdickungen erwecken den Eindruck organischer Wachstumsprozesse.

90-Tage-Galerie, Bardenbach, Zum Fels 1, „Spring“ ist zu sehen bis 16. Mai, Eröffnung am Sonntag, 11. April, 16 Uhr. Öffnungszeiten: Donnerstag, Freitag und Sonntag, 15 bis 19 Uhr.

Samstag, 27. März 2010

Dienstag, 2. Februar 2010

"Airbag" - Performance





Daniela Nadolleck und Mirjam Bayerdörfer, Studentinnen an der Saarbrücker Kunsthochschule, präsentierten zur Finissage der 90-Tage-Galerie die Performance "Airbag": Mit Hilfe der grundlegendsten Körperfunktion, dem Ein- und Ausatmen, wollten sie den vorhandenen Raum kurzfristig zu verändern suchen. Im Laufe einer Stunde übertrugen sie durch ein Blasrohr Luft des Galerieraumes in einen riesigen Sack aus Folie, einen weiteren Raum, der aber erst dadurch entsteht. Ein interessantes Experiment vor allem für die Besucher - denn als nach einer Weile der Atem der Beiden immer schneller und tiefer wird und sie sich nach und nach Strümpfen, Hose und Pullis entledigen, weiß keiner so recht, wie es weitergehen wird... Wie tiefgefroren in einem riesigen Eiswürfel mitten im Schaufenster endet die Performance mit einem Schnitt durch die Folie. Die Räume verschwimmen wieder.
Daniela Nadolleck und Mirjam Bayerdörfer zeigten das in der 90-Tage-Galerie entstandene Video ihrer Performance eine Woche später bei der Jahresausstellung an der Hochschule für Bildende Künste.