Montag, 31. Mai 2010

Land Art




Wie ein Ufo, das plötzlich mitten im Dorf gelandet ist. Das war die Bemerkung eines Freundes, als er zum ersten Mal meine 90-Tage-Galerie besuchte. Genauso empfand ich es, wenn an den Winterabenden die Beleuchtung der Galerie die Nachbarhäuser erfasste und den ein oder anderen, meist verdutzt blickenden Passanten kurzzeitig anstrahlte. Das war meine Sicht von innen nach außen – wie aber muss es auf die Bardenbacher gewirkt haben? Schon eigenartig, wenn plötzlich mitten auf dem Land eine Galerie auftaucht.
Aus einer spontanen Laune beschloss ich vergangenen Sommer, den ehemaligen Tante-Emma-Laden meiner Großeltern in meinem Heimatdorf Bardenbach im Nordsaarland zu renovieren. Seit etwa drei Jahren stand das Ladenlokal leer. Ich hatte kein Konzept, kein Geld und keine Ambitionen, aber sehr viel Lust, in diesem persönlichen Umfeld mit teilweise Originaleinrichtung wie der alten Kasse oder den Fleischhaken eine Dorfgalerie zu eröffnen. Die Künstler, die mich interessierten, schrieb ich einfach an – sie waren ohne Ausnahme angetan von Raum und Umgebung. Vier Ausstellungen dauerte das Dorf-Galerie-Projekt an, das sehr viele neue Erfahrungen brachte. Bei den Eröffnungen herrscht eine andere Atmosphäre als in städtischen Galerien: Die Nachbarin backt Kuchen und lädt die Künstler in ihr Wohnzimmer, und es kommt schon einmal vor, dass eine Installation zum Abstellen der Gläser benutzt wird. Im Umkreis von etwa 25 Kilometern gibt es hier keine Galerie und die Frage, was ich denn da überhaupt treibe, stand mehr als ein Mal im Raum. Die Besucher, im Gros nicht in Kunst gebildet, gehen direkt auf die Arbeiten zu, ohne intellektuellen Überbau, klopfen keinen inneren Wertekanon ab, sondern lassen Assoziationen und Gefühle freier zu. So kam es, dass über die – in meiner Einschätzung – eher schwierig zu erfassenden Objekte aus Menschenhaar und Wachs der Saarbrücker Künstlerin Mirjam Elburn sich überraschende, sehr persönliche Gespräche über Körperlichkeit und Vergänglichkeit entwickeln konnten.
War ich während der Woche fast immer alleine mit en Arbeiten, zog der Sonntagnachmittag zunehmend Publikum aus dem ganzen Saarland in die eigenartige Galerie nach Bardenbach. Und mit ihm entwickelt sich die zarte Hoffnung, dass eine Dorfgalerie mit ihrem eigenen Charme und mit langem Atem vielleicht doch eine Chance haben könnte.