
Nach einem Jahr Pause findet am Samstag, 30. April, 18.30 Uhr, wieder eine Ausstellungseröffnung in der 90-Tage-Galerie statt: Fotografien von Anne Michaux.
Surreale Landschaften, die in Unschärfe zerfließen. Diffuses zartes Licht, dann wieder kräftige Farbtöne, die einen dramatischen Eindruck schaffen: Anne Michaux baut Miniaturwelten mit Zubehör aus dem Eisenbahn-Modellbau und anderen Materialien, um sie dann zu fotografieren. „In der Zukunft war alles besser" nennt die Künstlerin aus Luxemburg, die in Berlin lebt, ihre Ausstellung vom 30. April bis zum 22. Mai in der 90-Tage-Galerie in Bardenbach. Anne Michaux setzt sich in ihren jüngsten Arbeiten mit der Vergänglichkeit der Zivilisation auseinander – „damit, wie etwas, das heute als unzerstörbar und ewig gilt, innerhalb von Stunden, Minuten, Sekunden, verschwunden sein kann, zerstört, auf immer verändert“.
Oft ist es die Hybris des Menschen, alles kontrollieren zu können, die Überzeugung, dass das, was jetzt ist, für alle Ewigkeit gilt, die radikale unvermeidbare Veränderungen hervorruft - wie auch im Fall der nuklearen Unfälle - und uns ohnmächtig und fassungslos sein lässt bei Katastrophen einer natürlichen Herkunft. Doch scheint es manchmal, als ob der Mensch Katastrophen unterbewusst provoziert, um ein gesättigtes System zu zerstören und wieder neu anfangen zu können. Diese unvorhersehbaren Ereignisse üben auch eine Faszination aus: Sei es eine Art „Katastrophen-Lust“ oder die Anziehungskraft des Chaos, aus dem wieder Neues erstehen kann. So hat die Wiederkehr der wilden Tiere in der Sperrzone um Tschernobyl für großes Interesse gesorgt. Die Rede war sogar von einem „Rückzugsort für Tiere“, bis man feststellte, dass die Tiere auch an Krebs erkranken und wohl nicht lange in der Zone als Arten überleben werden. Trotzdem übt die Idee, dass die Natur erleichtert aufatmet, wenn der Mensch sich zurückzieht, eine sonderbare Faszination aus. „Ich habe Tiere als Symbol der Erneuerung und der Hoffnung in meine Bilder aufgenommen“, sagt Anne Michaux.
Die Fotos der Ausstellung sind von der Atmosphäre einer vagen, unsichtbaren Bedrohung durchdrungen, die Menschen scheinen verloren, verunsichert durch das plötzliche Verschwinden von Kontrollpersonen, die ihnen sagen, was sie zu tun haben: „ Und doch versuche ich auch einen Hauch Schönheit sein zu lassen, eine unbekannte, wilde Schönheit, die der ur-menschlichen Hoffnung auf Erneuerung Platz gibt.“ Die Bilder sind aus DIN A4 Blättern zusammen genäht. Diese Low-Tech-Technik ist aus dem Wunsch entsprungen, mehr Kontrolle über die Produktion der Bilder zu haben, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen und sie während des Prozesses modifizieren zu können. Außerdem sind sie haptisch interessanter und ermöglichen eine Nähe zum Betrachter, die perfekt gedruckte Fotos hinter Acrylglas nicht zulassen.
90-Tage-Galerie, Zum Fels 1, Bardenbach. Eröffnung am Samstag, 30. April, 18.30 Uhr. Bis 22. Mai, geöffnet sonntags von 15 bis 18 Uhr.

